![]() www.sikjm.ch | Das Projekt Schenk mir eine Geschichte Family Literacy unterstützt die Eltern in ihren Erziehungs- und Bildungsaufgaben.Die Ressourcen und Kompetenzen der Eltern sollen speziell im Hinblick auf die sprachliche und literale Entwicklung ihrer Kinder bestätigt und gestärkt werden. Ein über den Family-Literacy-Gedanken hinausgehendes Ziel des Projekts ist die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für eine positive Wahrnehmung und Wertschätzung von Mehrsprachigkeit. ZielgruppeSchenk mir eine Geschichte richtet sich speziell an Familien mit Kindern im Alter von ca. zwei bis fünf Jahren, die zwei- oder mehrsprachig aufwachsen (unter anderem mit den Sprachen Albanisch, Portugiesisch, Serbisch, Spanisch, Tamil, Russisch und Türkisch). TrägerinstitutionDie Trägerschaft für Schenk mir eine Geschichte Family Literacy liegt beim Schweizerischen Institut für Kinder- und Jugendmedien SIKJM. Dieses koordiniert das Projekt in den Kantonen Zürich und Solothurn. In anderen Kantonen erfolgt die Koordination vor allem durch Bibliotheken und Integrationseinrichtungen. EntstehungSchenk mir eine Geschichte Family Literacy startete im September 2006 und wurde unterstützt von der damaligen Eidgenössischen Ausländerkommission (EKA), den Fachstellen für Integration der Kantone Basel-Stadt und Zürich sowie der Stadt Zürich. 2007 weitete sich das Projekt auf die Stadt Winterthur und den Kanton Solothurn aus. Seit 2009 wird das Projekt mit Unterstützung des SIKJM in weiteren Kantonen durch interkulturelle Bibliotheken und anderen Institutionen umgesetzt. Seit der abgeschlossenen Pilotphase kann das Projektkonzept von interessierten Institutionen (Bibliotheken, Migrationsvereinen, Quartierzentren, Schulen etc.) selbständig umgesetzt werden. Das SIKJM bietet zur Unterstützung Basis- und Weiterbildungskurse sowie Praxisbegleitungen an und stellt Materialien zur Projektorganisation zur Verfügung. IM Herbst 2011 wird das Projekt in neun Kantonen angeboten. UmsetzungIm Rahmen von Schenk mir eine Geschichte Family Literacywerden Leseanimationen in der Herkunftssprache der Familien und auch in Deutsch organisiert. Die Leseanimationen, die jeweils 90 Minuten dauern, finden in Quartierzentren, in Kindergärten oder Bibliotheken statt. Pro Sprache wird mindestens eine Reihe von zwölf Leseanimationen angeboten (wöchentlich oder zweimal pro Monat). Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Neue Familien können jederzeit einsteigen. Während eines Animationszyklus werden in der Regel zwischen sechs und zwölf Familien erreicht. In den Leseanimationen werden die Kinder in ihren sprachlichen und schriftlichen Kompetenzen in der Erstsprache gefördert. Es werden Geschichten in ihrer Erstsprache erzählt, Lieder gesungen, gemeinsam Bilderbücher angeschaut, es wird gespielt und gemalt. Rund um die Leseanimationen wird mit den Eltern über Möglichkeiten der Sprach- und Leseförderung in der Familie, über Umgang mit Mehrsprachigkeit, aber auch über andere Erziehungs- und Integrationsthemen diskutiert. Die Eltern werden für ihre Rolle als ExpertInnen für die Sprach- und Leseentwicklung ihrer Kinder sensibilisiert und in dieser Funktion bestätigt, um ihre Ressourcen zur Unterstützung ihrer Kinder einzusetzen. Die Wertschätzung des soziokulturellen und linguistischen Hintergrunds der Eltern ist dafür eine wichtige Voraussetzung. Die Eltern lernen zudem Lern- und Unterstützungsangebote in ihrer Umgebung, wie Elterntreffs, Spielgruppen, Bibliotheksanimationen, Deutschkurse mit Kinderbetreuung etc., kennen. Ein Ziel des Programms ist, dass die Kinder vorschulische deutschsprachige Institutionen besuchen, wie z.B. Spielgruppen. Die deutschsprachigen Leseanimationen, die im Rahmen von Schenk mir eine Geschichte durchgeführt werden, sind einerseits ein Nachfolgeangebot für die Familien, die Animationen in ihrer Erstsprache besucht haben. Andererseits können hier auch Familien teilnehmen, in deren Herkunftssprache keine Animationen angeboten werden können. Die Sprachen der TeilnehmerInnen werden auf spielerische Weise miteinbezogen, Kindermedien stehen in verschiedenen Sprachen zur Verfügung. Die deutschsprachigen Animationen finden ebenfalls ein- bis zweimal monatlich in Quartierzentren oder Bibliotheken statt. Als Ergänzung der Leseanimationen werden Familien zu Hause besucht, um sie auf das Angebot aufmerksam zu machen oder um Eltern bei der Sprach- und Literacy-Förderung ihrer Kinder gezielt zu unterstützen. Informationsfolder, die sich an die Eltern richten, stehen auf der Webseite der SIKJM in den Sprachen Deutsch, Albanisch, Bosnisch/Kroatisch/Serbisch, Portugiesisch, Spanisch, Tamil und Türkisch zum Download zur Verfügung. Die Eltern erhalten in dieser zehnseitigen Broschüre einfache Tipps, wie sie die sprachliche und literale Entwicklung ihrer Kinder fördern können, sowie Hinweise zum Projekt. Die im Projekt engagierten interkulturellen VermittlerInnen arbeiten als LeseanimatorInnen weitgehend selbständig. Ein vom SIKJM konzipierter dreitägiger Basiskurs, individuelle Praxisbegleitungen und kontinuierliche Weiterbildungskurse vermitteln ihnen das nötige Rüstzeug, damit sie die Leseanimationen im Sinne der Projektidee umsetzen können. Für die Leseanimationen stellt das SIKJM den VermittlerInnen Bilderbücher in Deutsch und entsprechenden Erstsprachen, Spiele sowie Schreib- und Malutensilien zur Verfügung. AuszeichnungenSchenk mir eine Geschichte Family Literacy erhielt im August 2010 den Orange Award der UNICEF Schweiz als Auszeichnung für die Förderung des interkulturellen Dialogs im Rahmen der Partnerschaft Orange for UNICEF. Im Oktober 2008 wurde dem Projekt der Alpha-Preis des Komitees für die Bekämpfung des Illetrismus der schweizerischen UNESCO-Kommission verliehen. |