![]() | Alle wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen die enorme Bedeutung des gemeinsamen Lesens und Vorlesens für die Lesesozialisation und damit für den späteren Lese- und Lernerfolg eines Kindes. Vom ersten gemeinsam betrachteten Bilderbuch auf dem Schoß der Mutter oder des Vaters bis zur späteren Diskussion über Literatur oder einen Zeitungsartikel spannt sich der Bogen sozialer Leseerfahrungen. Ein zentrales Problem leseschwacher Kinder ist, dass sie weniger lesen als gute Leser. Während gute Leser sowohl während des Unterrichts als auch in ihrer Freizeit Bücher und Zeitschriften zur Hand nehmen, um relevante Informationen zu erhalten oder auch zur reinen Unterhaltung, vermeiden leseschwache Kinder Lesesituationen, weil Lesen für sie mit großer Mühe und wenig Spaß verbunden ist. Die empirische Leseforschung zeigt, dass das Ausmaß des Lesekonsums innerhalb und außerhalb der Schule ein zentraler Prädiktor der weiteren Leseentwicklung ist (...) Leseschwache Kinder sind demnach verstärkt auf angeleitete Lesesituationen angewiesen, in denen sie sowohl Anregung zum als auch Unterstützung beim Lesen finden. (aus: Karin Landerl & Ewald Moser (2006), Lesepartner: Evaluierung eines 1:1-Tutoring-Systems zur Verbesserung der Leseleistungen. Heilpädagogische Forschung, 23, S. 2738) Verbesserung der Lesekompetenz ist nur durch systemische, nachhaltige Maßnahmen erzielbar, die über den normalen Leseunterricht hinaus reichen. Es gilt angeleitete Lesesituationen zu schaffen.
Das Zusammenwirken von Familie, Kindergarten und Schule ist dabei ein zentraler Angelpunkt. Gemeinsames Vorlesen und Lesen eines/r älteren mit einem/r jüngeren LesepartnerIn Eltern oder andere Erwachsene mit Kindern oder ältere mit jüngeren SchülerInnen schaffen ein positives soziales Klima, in dem sich Lesefreude, Lesebereitschaft und auch Lesegeläufigkeit entwickeln können. Der/Die Ältere ist für den/die Jüngeren Bezugsperson, Vorbild und TutorIn und profitiert selbst auch vom Kontakt mit dem/r Jüngeren, Lesen wird zum Gespräch, zum Informationsaustausch, zum Gemeinschaftserlebnis. Die partnerschaftliche 1:1-Lesesituation ermöglicht ein individuelles Eingehen auf Leseinteressen, Leseprobleme und Lesegeschwindigkeit des/r Jüngeren speziell für schwächere LeserInnen. Die fünf Modelle des gemeinsamen Lesen bzw. Vorlesens werden in vielen Varianten in zahlreichen anderen Ländern und in Österreich bereits mit sehr gutem Erfolg praktiziert, dokumentiert vor allem durch die International Reading Association (weltweite Organisation zur Leseförderung) und die Stiftung Lesen (Deutschland). Das Lesetutorenprojekt wurde exakt nach dem Salzburger Modell von Karin Landerl und Ewald Moser (2006, Lesepartner: Evaluierung eines 1:1-Tutoring-Systems zur Verbesserung der Leseleistungen. Heilpädagogische Forschung, 23, S. 2738) beschrieben . Im Jahr 2007/2008 wurde diese Modelle an 40 österreichischen Schulen ein Semester lang getestet und wissenschaftlich evaluiert (Download / Pilotprojekt). |