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LesetutorInnen


Projektdesign "LesetutorInnen"

Erwachsene LesetutorInnen lesen täglich innerhalb der Unterrichts- oder Nachmittagsbetreuungszeit über drei Monate 15 Minuten lang mit einem leseschwachen Kind.

Zielgruppe
Schwache LeserInnen (Annahme: Lesequotient unter 80 nach dem Salzburger Lese-Screening) aus der 2.–8. Schulstufe.

Ziele
  • Heranführen schwacher LeserInnen – speziell mit Problemen in der basalen Lesekompetenz – an das allgemeine Klassenniveau durch individuelles Training.
  • Steigerung der basalen Lesekompetenz (Zusammenlauten und automatisches Worterkennen) von leseschwachen Kindern auf der 2.–8. Schulstufe durch ein gezieltes „1:1“-Tutoring-Programm mit erwachsenen LesepartnerInnen.
Besondere Qualitäten dieses Modells
  • Durch wechselseitiges lautes Vorlesen (mit Korrektur von Verlesungen durch die/den TutorIn) wird die basale Lesekompetenz (Zusammenlauten und automatisches Worterkennen) von schwachen LeserInnen deutlich verbessert.
  • Lesegeläufigkeit und Lesesicherheit werden durch das regelmäßige Training und die hohe Trainingsfrequenz erhöht, der Leseumfang gesteigert.
  • Durch kurze Dauer und abwechslungsreiche Gestaltung der Leseeinheiten (wechselseitiges Vorlesen!) wird Überlastung der SchülerInnen vermieden.
  • Die erwachsenen Tutoren schaffen eine (oft aus der Familie unbekannte) Situation der sozialen, persönlichen Zuwendung für leseferne Kinder. Da in vielen Fällen die Eltern nicht bereit oder in der Lage sind, ihre Kinder beim Lesen in intensiver Weise zu unterstützen, bietet sich das LesetutorInnen-Modell als Alternative an.
Zeitbedarf
Empfohlene Dauer des Projekts: 3 bis 5 Monate
Empfohlene Frequenz: möglichst an jedem Schultag mindestens aber 3- bis 4-mal wöchentlich
Dauer einer Leseeinheit: 15 Minuten

Neben verbindlichen Vorgaben für die Projektdurchführung gibt es bei allen fünf Projekten auch frei gestaltbare Elemente, um individuelle, dem Schulstandort angepasste Lösungen zu entwickeln. Die genaue Einhaltung der Vorgaben für Vorbereitung und Durchführung wird dringend empfohlen, um nachhaltige und messbare Ergebnisse zu erzielen: Die Empfehlungen und Rahmenbedingungen sollen der Schule Anregungen für individuelle Gestaltung geben.


Vorbereitung

Auswahl der Kinder
Teilnehmen sollten leseschwache Kinder in der Klasse, ausgewählt z. B. durch das Salzburger Lese-Screening (SLS, Lesequotient unter 80). Bei Verdacht einer schweren Lese-Rechtschreib-Schwäche (Legasthenie) sollte allerdings unbedingt ein/e LesepsychologIn beigezogen werden. Die Teilnahme am Tutorenmodell kann zwar durchaus sinnvoll sein, eine nachhaltige Verbesserung der Leseleistung ist bei schwerer Lese-Rechtschreib-Störung nach drei Monaten aber noch nicht zu erwarten.

Auswahl der TutorInnen
Lesebegeisterte Erwachsene aus dem schulischen Umfeld, die bereit sind, mehrere Monate lang an jedem Schultag mit mehreren Kindern zu lesen. Unbedingt erforderlich sind die umfassende Anleitung im Rahmen eines Einführungsseminars und die begleitende Unterstützung der TutorInnen durch LeseexpertInnen. Gute Lesefähigkeit und Deutschkenntnisse sind Voraussetzung. Rekrutiert werden können die TutorInnen aus der Schulgemeinschaft (z. B. Eltern, Großeltern, pensionierte KollegInnen) oder aus einer Pädagogischen Hochschule auf freiwilliger und ehrenamtlicher Basis. Ein Anerkennungsgeschenk und eine Urkunde sind zu empfehlen.




Durchführung

Gestaltung der Leseeinheiten
Die Vorleseeinheiten erfolgen innerhalb der regulären Unterrichtszeit oder in der Nachmittagsbetreuungszeit, die SchülerInnen werden dafür aus dem Klassenverband freigestellt.

Wichtig ist die Einhaltung von Rahmenbedingungen für die gemeinsame Lesesituation (Tipps für Eltern, LehrerInnen und LesetutorInnen):

  • Die tägliche Leseeinheit sollte 15 Minuten nicht überschreiten.
  • In jeder Leseeinheit wechseln sich SchülerIn und TutorIn beim Vorlesen ab.
  • Wenn das Kind vorliest, korrigiert der/die TutorIn die Verlesungen sofort.
  • Wenn der/die TutorIn vorliest, liest das Kind (eventuell mit Finger oder Lineal) mit und eventuell laut nach.
  • Schwierige Abschnitte können auch gemeinsam laut gelesen werden.
  • Zum Ende jeder Leseeinheit wird über das Gelesene gesprochen, um das Textverständnis sicherzustellen.


Lesestoff
Bei der Auswahl des Lesestoffs sollte unbedingt das persönliche Interesse und das Können des Kindes berücksichtigt werden, bzw. nach Möglichkeit das Kind in die Textauswahl einbezogen werden. Die Abstimmung auf das persönliche Interesse ist von zentraler Bedeutung, im Zweifelsfall sollten eher leichtere, kürzere Texte gewählt werden. Kinderliteratur, Kinderzeitschriften oder Sachtexte sind zu bevorzugen. Keinesfalls sollte aus Schulbüchern oder Klassenlektüre gelesen werden.

Erfolgskontrolle
Zur (Selbst-)Kontrolle führen die SchülerInnen (ev. gemeinsam mit dem/der TutorIn) ein Lesetagebuch, in das am Ende jeder Leseeinheit eingetragen wird und dessen Einträge von den TutorInnen bestätigt werden. (Kopiervorlage „Lesetagebuch“)

Evaluiert werden kann bei diesem Projekt die konkrete Leseleistung. Das SLS kann vor und nach dem Projekt durchgeführt und die Leistungssteigerung überprüft werden.


Empfehlungen und Rahmenbedingungen

Anregungen zur individuellen Gestaltung

  • Empfehlenswert ist es, das Projekt sowohl im Rahmen einer Schulkonferenz (Lesekonferenz) als auch im Rahmen eines Elternabends zu thematisieren. Einvernehmlich zu klären ist das Faktum, dass die Kinder regelmäßig aus dem normalen Unterricht geholt werden und diesen versäumen (Verständnis der LehrerInnen und Klärung, ob und wie das Versäumte nachzuholen ist). Die Eltern der leseschwachen Kinder sollten unbedingt zu einem Informationsabend eingeladen oder zumindest schriftlich informiert werden.

  • Der Einführungsabend für TutorInnen sollte in Zusammenarbeit mit einem/r LeseexpertIn erfolgen. Mögliche Inhalte: basale Informationen über Leseprobleme, Ablauf und Rahmenbedingungen des Projekts, Auswahl der Bücher, Gestaltung der Lesezeit.

  • Zwei bis drei Wochen nach Beginn empfiehlt sich ein zweiter Informationsabend für TutorInnen zum Austausch der ersten Erfahrungen und Besprechung auftauchender Probleme (z. B. falsche Wahl der Lektüre, Verhaltens- und Kommunikationsprobleme).

  • In Schulen mit Ganztags- oder Nachmittagsbetreuung lässt sich das TutorInnenprojekt besonders gut am Nachmittag durchführen.

  • Zur Durchführung hat sich im Pilotprojekt empfohlen, dass die TutorInnen an einem oder maximal zwei fixen Wochentagen in die Schule kommen und dann hintereinander mehrere SchülerInnen (bis zu maximal fünf) betreuen. Fällt ein/e TutorIn kurzfristig aus, springt ein/e andere/r als Ersatz ein.

  • Es sind etwa so viele TutorInnen erforderlich wie zu betreuende Kinder.

  • Für die Kinder bedeutet das, dass sie an jedem Tag der Woche mit einem/r anderen LesepartnerIn lesen. Das hat den Vorteil, dass jedem Kind verschiedene Rollenvorbilder zur Verfügung stehen.

  • Das Projekt ist uneingeschränkt auch für Kinder mit einer anderen Erstsprache als Deutsch geeignet, wobei in Deutsch gelesen wird und die TutorInnen die deutsche Sprache gut beherrschen müssen.

  • Der „Stundenplan“ der TutorInnen und die Koordination der Einheiten sollten von einer/m LehrerIn (empfohlen: SchulleiterIn) durchgeführt werden. Diese/r LehrerIn steht auch als Kontaktperson für die TutorInnen zur Verfügung (z. B. bei Terminabsagen, Problemen mit Kindern).

  • Die vermittelnde Rolle eines/r LeseexpertIn ist bei diesem Projekt ganz besonders wichtig. Während des gesamten Projektzeitraumes sollten daher die LeseexpertInnen für die LesetutorInnen telefonisch erreichbar sein, falls akute Probleme auftauchen.

  • Der/Die KlassenlehrerIn sollte auch regelmäßig mit den teilnehmenden Kindern über ihre Eindrücke und Erfahrungen mit den TutorInnen sprechen.