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Lesebuddys


Projektdesign Lesebuddys

Eine höhere Klasse übernimmt eine „Lesepartnerschaft“ für eine jüngere Klasse. Jede/r SchülerIn der höheren Klasse erhält eine/n fixe/n LesepartnerIn aus der jüngeren Klasse.

Zielgruppe
Geeignet für SchülerInnen aller Altersgruppen; zwischen den jüngeren LesepartnerInnen und den Älteren sollten mindestens zwei Jahre Abstand sein. Gefördert werden gute und schwache LeserInnen gleichermaßen. Als Alternative kann dieses Modell auch als „Lesetandems“ geführt werden. Dabei lesen SchülerInnen einer Klasse paarweise miteinander. Dieses Lesetandem-Modell ist auch für weiterführende Schulen (z. B. Berufsschulen oder berufsbildende mittlere und höhere Schulen) empfehlenswert.

Ziele
  • Erhöhung der Lesemotivation sowohl der Jüngeren als auch der älteren TeilnehmerInnen durch ein klassenübergreifendes Projekt sowie die Erfahrung von Vorlesen in zwangloser Atmosphäre und das Entstehen von Lesefreundschaften.
  • Verbesserung der Lesegeläufigkeit und Leseflüssigkeit bei Älteren und Jüngeren, in geringerem Ausmaß: Steigerung der basalen Lesekompetenz der Jüngeren, aber auch der Älteren.

Besondere Qualitäten des Modells

  • Intention dieses Modells ist es, dass ältere SchülerInnen regelmäßig mit Jüngeren lesen bzw. diesen vorlesen. Beide Gruppen profitieren von den Lesestunden.
  • Die „Kleinen“ üben das Lesen in einer entspannten Atmosphäre und erleben die „Großen“ als Lesevorbilder. Für die jüngeren Lesebuddys erfolgt in der Regel eine Lesemotivationssteigerung nach dem Peergroup-Prinzip.
  • Die „Großen“ entwickeln in der Regel besonderen Ehrgeiz, erweitern ihre sozialen Kompetenzen, lernen geduldig und einfühlsam auf ihre LesepartnerInnen einzugehen. Für die älteren Lesebuddys erfolgt in der Regel ein enormer Lesemotivationsschub durch die Übernahme der aktiven und verantwortungsvollen Rolle des/r „LesetrainerIn“.
  • Durch die regelmäßigen Leseeinheiten wird bei Jüngeren und Älteren Lesegeläufigkeit und Leseflüssigkeit verbessert. Die basale Lesekompetenz wird aufgrund der meist geringen Frequenz (einmal wöchentlich) in geringerem Ausmaß verbessert.
  • Das Modell schafft eine besonders natürliche Situation des gegenseitigen Vorlesens. Es liefert wichtige Erfahrungen des Lesens als gemeinschaftsbildende Kommunikation und stiftet „Lesefreundschaften“ über Altersgrenzen hinweg. Die in der Fachliteratur als wichtig beschriebene „Anschlusskommunikation“ (Reden über das Lesen) wird besonders in Gang gesetzt.

Zeitbedarf

Empfohlene Zeitdauer: mindestens ein Semester bis ein Schuljahr
Empfohlene Frequenz: eine Unterrichtsstunde wöchentlich

Neben verbindlichen Vorgaben für die Projektdurchführung gibt es bei allen fünf Projekten auch frei gestaltbare Elemente, um individuelle, dem Schulstandort angepasste Lösungen zu entwickeln. Die genaue Einhaltung der Vorgaben für Vorbereitung und Durchführung wird dringend empfohlen, um nachhaltige und messbare Ergebnisse zu erzielen: Die Empfehlungen und Rahmenbedingungen sollen der Schule Anregungen für individuelle Gestaltung geben.


Vorbereitung

Die ältere Klasse muss vorher über die Regeln des gemeinsamen Lesens, über Ziele des Projekts, Bedingungen der Kommunikation mit den Jüngeren und die Buchauswahl gut informiert werden. Vor allem nach den ersten Einheiten sollte der/die KlassenlehrerIn mit den älteren SchülerInnen unbedingt eine Feedback-Einheit durchführen, um Erfahrungen auszutauschen, Fehler und allfällige Probleme zu besprechen. Auch die jüngere Klasse soll auf das Projekt altersadäquat eingestimmt werden. Überlegenswert ist es, bei den jüngeren SchülerInnen vorher und nachher das SLS durchzuführen. Schwächere LeserInnen sollten auf jeden Fall eine/n gute lesende/n ältere/n LesepartnerIn zugeteilt bekommen. Auch die Jüngeren sollten nach den Leseeinheiten die Möglichkeit haben, ihre Erfahrungen den LehrerInnen mitzuteilen. Wichtig ist es, beiden Gruppen die Angst vor dem Vorlesen und auch vor Fehlern zu nehmen und eine möglichst angenehme, entspannte Lesesituation zu schaffen. In manchen Fällen (schwache LeserInnen, Angst vor lautem Vorlesen) kann es sinnvoll sein, dass die Lesebuddys den Text schon vorher kennen und üben.


Durchführung

In fixen LesepartnerInnen-Stunden (empfohlen: eine fixe Stunde pro Woche) wird gemeinsam gelesen, die tatsächliche gemeinsame Lesezeit sollte jeweils mindestens 15, maximal 30 Minuten betragen. Der Rest der Unterrichtsstunde dient dem zwanglosen Kontakt der „Buddys“ sowie der Vor- und Nachbereitung.

Klassenauswahl
Die beiden Klassen müssen naturgemäß annähernd gleich groß sein. Zwischen den Klassen sollte ein möglichst großer Altersabstand liegen, um die „Rollenverteilung“ zu garantieren, zumindest aber zwei Schuljahre. Die PartnerInnenauswahl sollte bei den LehrerInnen liegen und nicht dem Zufall oder den SchülerInnen überlassen werden. Schwache jüngere SchülerInnen sollten eher gut lesende ältere Buddys zugeteilt bekommen. Die LesepartnerInnen-Paare sollten nach Möglichkeit während des Projekts beisammenbleiben, PartnerInnentausch nur in unvermeidlichen Fällen erfolgen.
Bei der Alternative „Lesetandems“ kann die PartnerInnenauswahl freier erfolgen, hier ist auch ein regelmäßiger Wechsel der Tandems denkbar. Sinnvoll ist es aber auch hier, jeweils eine/n besseren und eine/e schwächeren LeserIn zusammenzuspannen.

Gestaltung der Leseeinheiten
Die Buddys (also je ein/e SchülerIn aus beiden Klassen) wählen gemeinsam ein Buch (wobei sich das Niveau an dem/der Jüngeren orientiert), lesen wechselseitig vor, stellen einander Fragen zum Text bzw. reden miteinander über das Gelesene. Die Form des Lesens sollte möglichst frei, die Methodenvielfalt aber gesichert sein. Wichtig ist neben der reinen Lesezeit auch die Möglichkeit zum Gespräch und zum Recherchieren über das Gelesene. Je nach Klassensituation kann der Vorleseanteil der Älteren anfangs höher sein, gegen Ende des Projekts sollten aber beide Partner einander gleich lang vorlesen.

Lesestoff
Die LesepartnerInnen sollten die Möglichkeit haben, ihr gemeinsames Buch selbst auszuwählen. Über die Art der Bücher-/Textauswahl sollten die beiden KlassenlehrerInnen Einvernehmen herstellen und den Paaren beratend zur Seite stehen. Wichtig ist, dass die Auswahl der Texte entweder durch die Paare aus einem großen Pool (z. B. Schulbibliothek) frei erfolgt oder dass die LesepartnerInnen vom/von der KlassenlehrerIn einige Texte empfohlen bekommen, aus denen sie wählen können (keinesfalls Klassenlektüre oder vorgeschriebene Texte!). Je größer die Vielfalt der an¬gebotenen Literatur ist, desto besser (auch Sachtexte, unterschiedliche Themenbereiche, Leseniveaus). Falls ein Paar mit einem Buch nicht zurande kommt, sollte es die Möglichkeit haben, ein anderes auszuwählen.

Erfolgskontrolle
Alle beteiligten SchülerInnen bzw. die Lesepaare führen eine Dokumentation ihrer Lesungen (z. B. Lesetagebuch, Lesekalender) und/oder erhalten eine sichtbare Anerkennung ihrer Leistung, z. B. in Form einer Leseurkunde oder eines Lesestempels für jede gelungene Einheit etc. (Kopiervorlage: Lesetagebuch).
Evaluiert werden kann bei diesem Projekt die Einstellung zum Lesen und die Lesemotivation der SchülerInnen. Eine Steigerung der Lesekompetenz ist zwar zu erwarten, aber vermutlich nicht messbar, sondern nur aus der Beobachtung durch die KlassenlehrerInnen ableitbar.


Empfehlungen und Rahmenbedingungen

Anregungen zur individuellen Gestaltung

  • Am Beginn steht ein gemeinsames Kennenlernen und „Warming up“, in dem die SchülerInnen die Gelegenheit haben, aufeinander zuzugehen und allfällige Ängste abzubauen. Besonders geeignet sind Kennenlernspiele oder Reihum-Informationen über die eigene Person. Die PartnerInnen sollten auch Gelegenheit haben, sich informell kennenzulernen, bevor die gemeinsamen Lesungen beginnen (wobei hier spielerische Regeln des Vorstellens hilfreich sein können).
  • Am Ende des Projektes steht ein gemeinsames Abschlussfest, bei dem die SchülerInnen Gelegenheit haben, ihre Erfahrungen bewusst zu machen und auszutauschen sowie ihren Erfolg zu feiern.
  • Es ist auch möglich und sinnvoll, dass die LesepartnerInnen das Gelesene gemeinsam aufbereiten, z. B. den Text gemeinsam den anderen Paaren vorstellen, zum Gelesenen Bilder malen, ein gemeinsames „Lese-Buch“ basteln, zum Text Recherchen im Internet oder im Lexikon anstellen etc. Wichtig wäre aber, dass die tatsächliche Lesezeit dadurch nicht beschränkt wird.
  • Die Lesetexte können natürlich auch in einen größeren Rahmen gestellt werden (z. B. Texte zum Thema „Märchen“, „Wald“ oder „journalistische Formen“ etc.) und die gemeinsame Lesephase kann in einem Gemeinschaftsprojekt der beiden Klassen münden. Das LesepartnerInnen-Projekt kann auch im Rahmen eines größeren Schulprojektes abgewickelt werden.
  • Der Leseort spielt eine wichtige Rolle: Die Paare sollten ungestört miteinander kommunizieren können. Die Schulbibliothek oder fallweise auch Lesen im Freien ist durchaus empfehlenswert.
  • Die Eltern der beteiligten Klassen sollten über das Projekt informiert werden und eventuell bei der Schlussveranstaltung auch eingebunden sein.
  • Das Projekt ist uneingeschränkt auch für Kinder mit einer anderen Erstsprache als Deutsch geeignet, wobei in der Regel in Deutsch gelesen wird.